Am Freitag, den 13. März 2026, hat vor dem Verwaltungsgericht Kassel eine Gerichtsverhandlung stattgefunden, in der erneut über den Aufenthaltstitel von Leyla und Meryem Lacin und die für beide Frauen belastende Zuständigkeitsfrage verhandelt wurde. Geladen waren neben den Kasseler Behörden auch die Bayreuther Behörden, da die Stadt Kassel die Zuständigkeit seit Jahren bei der Stadt Bayreuth sieht. Bei der Gerichtsverhandlung kam es nun erfreulicherweise zu einer ersten Einigung, die die Zuständigkeitsfrage löst. An die 100 solidarische Menschen waren gekommen, um die Gerichtsverhandlung zu beobachten und die beiden Frauen zu unterstützen.
Seit über 30 Jahren bemühen sich Leyla und ihre Mutter Meryem Lacin um eine Möglichkeit, langfristig in Deutschland bleiben zu können. In dieser Zeit haben sich die Behörden dagegen gewehrt, den beiden Frauen eine langfristige Perspektive in Deutschland zu geben. Vielmehr wird ihr Leben in Deutschland durch das Handeln der Behörden fortlaufend illegalisiert. Die beiden Frauen sind als Mutter und Tochter vor 37 Jahren als politisch verfolgte Kurdinnen aus der Türkei nach Deutschland geflohen und leben seit bald 15 Jahren in Kassel. Leyla war erst drei Jahre alt als sie nach Deutschland kam. Noch immer haben Leyla und Meryem keinen gesicherten Rechtsstatus.
Nun kam es am Freitag durch den vor Gericht ausgehandelten Vergleich seit langem zu einer ersten Verbesserung ihrer Situation: Leyla darf ihre Arbeit als Assistenz nach fünf Jahren Kampf wieder aufnehmen. Außerdem wird ihre Wohnsitzauflage in Bayreuth, sofern sie drei Monate nach Wiederaufnahme ihrer Arbeit nachweisen kann, dass sie für ihren Lebensunterhalt und den ihrer Mutter Meryem aufkommen kann. Anschließend übernehmen die Kasseler Behörden den Fall der beiden Frauen, sodass Bayreuth nicht mehr zuständig ist. “Ich bin sehr erleichtert. Nach all den Jahren der Unklarheit, die mir und meiner Mutter sehr zusetzten, können wir nun langsam wieder Fuß fassen.”, sagt Leyla nach dem Gerichtstermin.
Der Gerichtsverhandlung vorausgegangen war ein jahrzehntelanges Behörden-Pingpong zwischen Kassel und Bayreuth. Anstatt schnellstmöglich eine humane Lösung für beide herbeizuführen, hatte das Regierungspräsidium Kassel sogar zwischenzeitlich ihre Abschiebung in die Türkei vorbereitet. Auf Druck der Behörden wurde Leyla außerdem im Jahr 2021 genötigt, ihre Tätigkeit als Assistenzkraft in der Pflege aufzugeben. Dadurch waren die beiden auf Sozialhilfe angewiesen und wurden so in die staatliche Abhängigkeit gedrängt, obwohl Leyla zuvor eigenständig ihren Lebensunterhalt bestreiten konnte. Fünf Jahre lang kämpfte Leyla seitdem vergeblich darum, ihre Arbeitserlaubnis zurückzuerlangen. Dieses behördlich verursachte Desaster, eine arbeitende Person in einem systemrelevanten Beruf in die Abhängigkeit von Steuergeldern zu zwingen, lässt nur Fassungslosigkeit zu und bedarf auch weiterhin dringend einer Aufarbeitung.
Die Unsicherheit und Schikane, der Leyla und Meryem dauerhaft ausgesetzt sind, ist zermürbend und bedeutet erhebliche Einschränkungen für ihr Leben und ihre Selbstbestimmung. Meryem Lacin ist vielfach erkrankt, auch weil ihr jahrelang der Zugang zu einer Krankenversicherung verwehrt wurde. Die ungeklärte Situation führte in den letzten Jahren zu einer deutlichen Verschlechterung ihrer Lage. Für beide bedeutet die unsichere Lage zudem eine immense psychische Belastung. Die Einigung und die Aussicht auf die Arbeitserlaubnis sowie die Aufhebung der Wohnsitzauflage bringt nun nach all den Jahren ein wenig Erleichterung.
Doch zeigt der Fall weiterhin, wie das Migrationsregime in Deutschland und in Europa mit Menschen umgeht, welche hier Schutz suchen. Oft bedeutet das Ersuchen um Asyl jahrzehntelange Gerichtsstreitigkeiten, die die Menschen zermürben. Der Fall zeigt zudem erneut, dass es den Behörden nicht um die Unterstützung der Selbstbestimmung oder eine “gelungene Integration” geht. Leyla hat aktuell eine Zusage für eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsgehilfin und könnte im August mit der Ausbildung beginnen. Allerdings will das Gericht diesen Plan nicht unterstützen und sieht Leyla eher als ungelernte Pflegekraft in der Assistenz. Während Frauen mit deutschem Pass dazu aufgefordert werden, sich selbst zu verwirklichen, zu lernen und sich weiterzubilden, bleibt das geflüchteten Frauen häufig verwehrt.
Zum Gerichtstermin am Freitag waren an die 100 Menschen gekommen, um die beiden zu unterstützen und ihre Solidarität zu zeigen. Der vorgesehene Gerichtssaal war viel zu klein für den großen Andrang und nur wenige Personen durften mit in den kleinen Saal kommen, um Leyla und Meryem mit ihrer Präsenz zu unterstützen. Das hohe öffentliche Interesse zeigt, dass die beiden Frauen schon lange fest in der Kasseler Stadtgesellschaft angekommen sind. Wie viele andere ist auch Leah vor das Gericht gekommen, um Leyla und Meryem Lacin zu unterstützen. “Wir werden die beiden Frauen nicht alleine lassen. So wie wir auch all die anderen, die an den europäischen Außengrenzen festgesetzt werden und die, die hier in Deutschland Sicherheit, Schutz und Selbsbestimmung suchen, nicht alleine lassen werden.”
